Mein Rollstuhl und mein Leben auf Rädern

Hier möchte ich für die, die sich dafür interessieren, ein bisschen über mein Leben als Rollifahrerin schreiben. Was mir immer, wenn ich mit gehenden Leuten spreche, das Wichtigste ist: Das Leben endet nicht wenn man plötzlich einen Rollstuhl braucht!!! Es ändert sich bloß. So, wie wenn man einen Führerschein macht und ab da eine neue, andere Fortbewegungsform nutzt. Okay, klar, der Vergleich hinkt etwas, weil Autofahrer ja auch noch gehen können, aber dennoch finde ich es nicht unpassend. Beine lassen sich durch einen Rollstuhl wirklich gut ersetzen und man muss einfach nur lernen, damit umzugehen. Man kann mit so vielem Leben und mal abgesehen davon, dass eine Äusserung wie "Meine Güte, wenn ich keine Beine mehr hätte, würd ich mir die Kugel geben!!!" sehr wenig gefühlvoll, kaum reflektiert und ein bisschen respektlos jedem Rollstuhlfahrer gegenüber sind, sie sind auch völlig überzogen. Denkt mal einen Moment nach, was ihr wirklich auf gar keinen Fall mehr tun könntet, was ich jetzt tut. Sport treiben? Quatsch, es gibt wunderbare Rollisportarten und Sitzsportarten, ihr würdet euch wundern, wie agil und schön die sein können, sei Rollitanz, hartes Rollstuhlrugby oder Sitzvolleyball, bei dem es echt zur Sache geht. Sportler, die beides kennen, berichten mir, dass es fordernder, schneller und anstrengender als normales Volleyball!! Okay, Sport ist abgehakt. Was noch? Fahrrad fahren? Es gibt tolle Handbikes! Arbeiten? Tja, wenn ihr Förster oder Bergarbeiter seid, wirds wohl schwierig, aber es gibt sehr viele Jobs die sich auch aus einem Rolli machen lassen, sei es mit einem angepassten Arbeitsplatz oder einer Assistenz. Disco? Wenn ihr wüsstet!!!
Ja, man muss sein Leben anpassen, es ändert sich einiges. Aber aus eigener Erfahrung würde ich ein Kind zu bekommen oder einen Partner zu verlieren, zusammenzuziehen oder die erste eigene Wohnung als einschneidender bezeichnen. 
Das Leben endet nicht, es ändert sich. 
Und damit kann man sehr gut Leben!!!!

Natürlich gibt es Schwierigkeiten im Alltag, die kommen allerdings größtenteils von außen. Ich sag es immer wieder, weil es so wahr ist: Behindert ist man nicht, man wird es!!! Was mich behindert sind Ladeninhaber, denen es nie in den Sinn kommt, dass Rampen eine Menge leichter machen oder dass durch enge Gänge zwischen Regalen weder ein Kinderwagen noch ein Rolli passt. Was behindert, ist wenn die Stadtplaner für Behinderte bauen ohne die behinderten Mitbürger zu fragen, was sie brauchen! Steile Rampen sind das letzte!!! Die meisten nach Norm gebauten Rampen werden am oberen Ende der Norm angelegt und sind so steil, dass selbst eine kräftige Fahrerin wie ich kaum hochkommt, egal wieviel ich mich anstrenge. Wie soll das dann Omi mit Rollator oder ein Kind im Rolli schaffen? Keine Chance! Darüber kann man sich ärgern, tut man auch, aber es nützt nur etwas, wenn man sich auch an der richtigen Stelle ärgert. Das Behindertenreferendariat der Stadt ist da immer eine gute Stelle! ;o) 
Es gibt aber auch richtig tolle Ideen, die für Rollstuhlfahrer gemacht werden. Eine habe ich in Dortmund bei einem großen Real-Markt gesehen und war total begeistert: Einkaufswagen für den Rolli!!! Soooo genial!Hier ein Foto, auch wenn ich schüchtern bin:

Man klemmt einfach mittig je einen gefederten Bügel an die beiden Rahmenteile des Rollis, die hinab zum Fußbrett führen. Der Wagen macht dann die Bewegungen des Rollis mit, von scharfen Kurven mal abgesehen, dann kann er sich mal lösen, ist aber nicht schlimm. Natürlich passt nicht so viel rein, wie in einen großen Wagen zum Schieben, aber das ist halb so wild. Man bekommt schon was unter und freut sich riesig, dass einem die gekühlten Einkäufe mal nicht die Oberschenkel vereisen! ;o)

Das wars fürs erste von mir hier, ich schreibe aber bestimmt demnächst weiter. Wenn ihr etwas genauer wissen wollt oder euch schon immer gefragt habt, wie Rollifahrer dieses oder jenes hinbekommen, lasst es mich einfach wissen! Schreibt mir einen Kommentar, dann antworte ich drauf! 

Schnelle Grüße,
Mary Magdalene

Kommentare:

  1. Huhu Mary!
    Schade dass du mir noch nicht auf die PM im Schnugis geantwortet hast. Hoffe dir geht es gut - ich bin froh mal wieder von dir zu lesen, hast mir richtig gefehlt ;)
    Mich rühren deine Worte, wir haben ja schonmal über die Thematik geredet. Und der Rolli-Einkaufswagen ist ja mal klasse :)

    Lg, Steffi (Amazone)

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  2. Argh, ich wusste, da war noch was! Sorry!!! Ich bin grad im Schnugis und hole das jetzt sofort nach!!!
    Ich danke dir! Ich hoffe immer, dass wenn mal jemand in den Rolli kommt, er sich an mich erinnert und denkt: Okay, es muss sich was verändern, man kann damit Leben, also los gehts! Ist definitiv einer meiner größten Wünsche...

    Ich freu mich auch wieder von dir zu lesen und darauf, jetzt wieder PN-Kontakt mit dir zu haben!!!
    Liebste Grüße,
    Mary Magdalene

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